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Oger

Ogre · Der menschenfressende Riese — Ein stumpfer, grausamer Tyrann der Wildnis

Eine menschenfressende Riesenrasse von etwa zweikommasieben bis drei Metern Höhe, mit dicker graugruener oder fahler Haut, brutaler Kraft und schwerfaelliger Gemuetsart. Oger leben einzeln oder in kleinen Familienverbaenden in Hoehlen, Ruinen und unter Bruecken, schwingen baumstammartige Keulen und jagen Menschen, besonders Kinder. Die Gestalt geht auf Giambattista Basiles neapolitanische Maerchensammlung von 1634-36 und Charles Perraults Maerchenbuch von 1697 zurueck und wurde durch Gary Gygax und Dave Arnesons Dungeons & Dragons (1974) sowie das Monster Manual von 1977 zum kanonischen, keulenschwingenden Riesengegner.

Ursprung

Etymologen leiten das franzoesische 'ogre' aus dem lateinischen Orcus ab, dem Unterweltsgott und Bestrafer gebrochener Eide, bezeugt in Vergils Aeneis 4.242, bei Horaz und in Petronius' Satyricon. Die Formen 'huerco' und 'uerco' finden sich bereits in Giambattista Basiles neapolitanisch verfasster Sammlung Lo cunto de li cunti, posthum als Il Pentamerone erschienen (Neapel, 1634-36). Charles Perrault verbreitete die Schreibung 'ogre' in Histoires ou contes du temps passé, avec des moralités (Claude Barbin, Paris, 1697), insbesondere in 'Le Maître chat ou le Chat botté' (Der gestiefelte Kater), 'Le Petit Poucet' (Der kleine Daeumling) und 'La Belle au bois dormant' (Dornroeschen). Gary Gygax und Dave Arneson fuehrten den Oger in der ersten Ausgabe von Dungeons & Dragons (1974) als keulenfuehrenden Humanoiden ein; das Monster Manual von 1977 legte die kanonische Groesse, Plumpheit und Menschenfresserei fest. Das Supplement Eldritch Wizardry von 1976 fuehrte den Ogre Mage ein, der unmittelbar aus dem japanischen Oni-Stoff entnommen ist.

Merkmale

  • Statur von zwei Komma sieben bis drei Metern mit dicker graugruener oder fahler Haut
  • Baumstammkeulen, mit Nägeln bewehrte Schlagwaffen oder grobe Streitkolben
  • Schwerfaellig, traege, gefraessig und mit zwanghafter Vorliebe fuer Menschenfleisch
  • Einsiedlerische oder kleine Familiengruppen in Hoehlen, Ruinen und unter Bruecken
  • Eigene rohe Ogersprache neben gebrochenem Gebrauch der Gemeinsprache

Geschichten

Im europaeischen Maerchen ist der Oger der schwerfaellige Tyrann, der vom kleinen, klugen Helden uebertoelpelt wird: in Der gestiefelte Kater bruestet er sich seiner Verwandlungskunst und wird gefressen, sobald er Maus wird; in Der kleine Daeumling toetet er versehentlich seine eigenen sieben Toechter. In Dungeons & Dragons, Final Fantasy und vielen weiteren Fantasy-Spielen ist der Oger der standardmaessige Riesengegner mittlerer und niedrigerer Stufen, plumper und hungriger als ein Troll. Seit DreamWorks' Shrek (2001) tritt die Gestalt auch als Held in Geschichten ueber Freundschaft und Selbstannahme auf.

Schwäche

Oger sind langsam, traege und leicht zu ueberlisten. Sie ueberschaetzen die eigene Staerke, lassen sich vom Heisshunger zu unbedachten Entscheidungen verfuehren und fallen regelmaessig auf einfache Tricks herein, wie die Mausverwandlung in Der gestiefelte Kater zeigt. Ihre mangelnde Faehigkeit zur Zusammenarbeit macht sie gegen koordinierte Angriffe verwundbar, und manche Regelsysteme geben ihnen Schwaechen gegenueber Tageslicht oder geweihten Bannkreisen.

Kulturelle Bedeutung

Marc Soriano las in Les Contes de Perrault: culture savante et traditions populaires (Gallimard, 1968) Perraults Menschenfresserei als Volksgedaechtnis der franzoesischen Hungerkrisen und Kindesaussetzungen des siebzehnten Jahrhunderts. William Steigs Bilderbuch Shrek! (Farrar, Straus and Giroux, 1990) und der DreamWorks-Film Shrek (2001) drehten die Tradition um und machten den Oger zum Helden; Steig leitete den Namen vom jiddischen 'shrek' (Schrecken) ab. Englische Uebersetzungen japanischer Folklore geben Oni regelmaessig mit 'ogre' wieder, so dass beide Traditionen in der modernen Fantasy zusammenfliessen.

In der Popkultur

Giambattista Basile, Lo cunto de li cunti (Neapel, 1634-36) — huerco / uercoCharles Perrault, Histoires ou contes du temps passé (Claude Barbin, Paris, 1697) — Der gestiefelte Kater, Der kleine Daeumling, DornroeschenGary Gygax und Dave Arneson, Dungeons & Dragons Originalset (TSR, 1974)Gary Gygax und Brian Blume, Eldritch Wizardry Supplement (TSR, 1976) — Ogre MageGary Gygax, Advanced Dungeons & Dragons Monster Manual (TSR, 1977)Square, Final-Fantasy-Reihe (1987–) — Oger als wiederkehrender GegnerWilliam Steig, Shrek! (Farrar, Straus and Giroux, 1990)DreamWorks Animation, Shrek-Filmreihe (2001-2010)

Trivia

  • Perraults Oger im Gestiefelten Kater von 1697 ist ein gestaltwandelnder Magier, der sich in Loewe oder Maus verwandeln kann, anders als der schwerfaellige Schlaeger der spaeteren Tradition.
  • Die Ableitung des franzoesischen 'ogre' aus dem lateinischen Orcus wurde im neunzehnten Jahrhundert erstmals von Wilhelm Grimm vorgeschlagen.
  • Der D&D-Ogre-Mage von 1976 wurde direkt aus dem japanischen Oni-Stoff entnommen; die zweite Edition (1989) benannte ihn in Oni um, die fuenfte Edition (2014) fuehrt ihn als 'Oni (Ogre Mage)'.
  • William Steig erklaerte in Interviews, er habe den Namen 'Shrek' vom jiddischen 'shrek' und dem deutschen 'Schreck' (Erschrecken) abgeleitet.

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troll

Troll

Troll · Der regenerierende Riese — Eine wilde Rasse zäher Vitalität

Der Troll, aus dem altnordischen 'troll' (urgermanisch *trullaz, 'magisches Wesen, Ungeheuer'), ist ein Riese der nordischen Mythologie, der in Bergen, Hoehlen und unter Bruecken wohnt. Die ausfuehrlichste mittelalterliche Quelle ist Snorri Sturlusons Prosa-Edda, Gylfaginning Kapitel achtundvierzig (um 1220), und das 'Þrymskviða' der Lieder-Edda, erhalten in der Codex-Regius-Handschrift (GKS 2365 4to, um 1270, Árni-Magnússon-Institut, Reykjavik), in denen Trolle als grosse menschengestaltige jǫtnar oder boese Zauberer erscheinen. Der moderne Fantasy-Troll — 230 bis 300 Zentimeter gross, mit gruener oder gruengelber Haut, langen sehnigen Gliedmassen und dem Markenzeichen einer erstaunlichen Regeneration (abgeschnittene Teile wachsen sofort nach) — ist die direkte Erfindung des Wissenschaftsfantasie-Romans 'Three Hearts and Three Lions' von Poul Anderson (Doubleday, 1962), Kapitel acht, in dem der Held Holger Danske feststellt, dass sein Schwert gegen einen regenerierenden Troll voellig nutzlos ist. Gary Gygax uebernahm Andersons Troll fuer das D&D-Original-Boxset von 1974 und kodifizierte die Figur im AD&D Monster Manual von 1977. Im Monster Manual der fuenften Edition (2014) hat der Troll Herausforderungsgrad 5, 84 Lebenspunkte, RK 15, drei Angriffe pro Zug (ein Biss und zwei Krallen) und das Regenerationsmerkmal (10 Lebenspunkte zurueck am Anfang seines Zuges, ausser er hat im vorherigen Zug Feuer- oder Saeureschaden erlitten). Dieselbe Ikonografie laeuft durch die drei Trolle William, Bert und Tom in J.R.R. Tolkiens 'Der Hobbit' (1937), die Hoehlentrolle und Olog-hai von 'Der Herr der Ringe' (1954-55), die Troll-Stamm-Karten von 'Magic: The Gathering' (ab 1993), die Darkspear- und Amani-Trolle von Blizzards 'World of Warcraft' (ab 2004) und die freundliche Felsgeist-Neuinterpretation in Disneys 'Frozen' (2013).